Liebe Leserinnen und Leser,


das Wäldchen am "Iberg" in Heilbad Heiligenstadt, welches eine Fläche von ca. 20.000m² hat, soll zum Teil für den Schulneubau der "Bergschule St. Elisabeth" des Bistums Erfurt weichen. 

Vorweg muss gesagt werden: Wir sind keinesfalls gegen einen Schulbau - wir sprechen uns lediglich gegen den Bau an diesem Standort aus!

Wir bitten Sie unsere Bürgerinitiative mit einer persönlichen Nachricht an den Bürgermeister oder an die Stadtverwaltung Heilbad Heiligenstadt zu unterstützen.

Den Kontakt können Sie über uns aufbauen.


GRÜNDE DIE GEGEN DEN SCHULBAU AN DIESEM STANDORT SPRECHEN

UMWELTSCHUTZ

SAUERSTOFF & KOHLENSTOFFDIOXID

Ein gesunder Laubwald produziert pro Hektar fast 15t Sauerstoff im Jahr. Wir reden hier über eine geplante Bebauungsfläche von ca. 1,5 Hektar. Ein Produktionsverlust von über 22t Sauerstoff im Jahr wäre die Folge für das Abroden dieser Fläche.

Weiterhin bindet ein Hektar Wald ca. 10t bis 12t Kohlenstoffdioxid im Jahr. Gerade zu Zeiten des Klimawandels ist es wichtig, dass diese "CO2-Vernichter" erhalten bleiben!

Quelle: www.wald.de

LEBENSRAUM

Der Wald ist ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Pilze. In diesem Waldstück leben geschützte Tierarten wie z.B. die Haselmaus, der Siebenschläfer und der europäische Igel. Ebenso wurden hier sehr seltene und streng geschütze Vogelarten wie der Kleinspecht, Mittelspecht, Gartenrotschwanz und die Kleinohreule gesichtet. Junge Eiben, die in Thüringen unter Naturschutz stehen findet man ebenfalls.

Quelle: Privat zugesendete Unterlagen

ERHOLUNGSFUNKTION

Der Wald hat auf uns Menschen eine gesunde Wirkung. Wir tanken hier frischen Sauerstoff, gehen spazieren oder genießen einfach mal die Ruhe. Gerade in der Kurstadt Heilbad Heiligenstadt ist es wichtig solche Orte, die für Jung und Alte leicht erreichbar sind zu erhalten!

Quellen: www.wald.de und eigene Unterlagen

SCHUTZFUNKTION

Der Wald schützt den Boden mit seinem Wurzelwerk z.B. vor Erdrutschen. Ebenso speichert er Wasser und schützt somit vor Dürre. Temperaturen können ebenfalls ausgeglichen werden (in Städten ist es immer wärmer als in Wäldern). Vor Immissionen schützt uns der Wald auch. Er filtert Feinstaub aus der Luft. 


Quellen: www.wald.de und eigene Erfahrungen

SCHLECHTE INFRASTRUKTUR

Auf der ROT markierten Fläche soll die neue Schule entstehen. Diese befindet sich am südlichen Rande von Heilbad Heiligenstadt. Die GELBEN Linien sind Hauptstraßen. Es ist deutlich zu sehen, dass nur eine Hauptstraße zum geplanten Bauort führt. Die restlichen BLAUEN Linien sind 30er-Zonen,Sackgassen und Einbahnstraßen, die durch Wohngebiete führen. Mit der direkt angrenzenden Grundschule "Theodor-Storm" reden wir über ca 1500 Personen die jeden Tag zu diesem Stadtteil bewegt werden müssen. Wie soll das umgesetzt werden ohne jemanden zu gefährden und ohne ein Verkehrschaos entstehen zu lassen?

Quelle: Google Maps

Hier sind die nahe gelegensten Bushaltestellen (GRÜN) eingezeichnet. Es gibt nicht nur zu wenige - die vorhandenen sind auch viel zu klein. Das Hinzufügen weiterer Haltestellen würde die für geplanten Schülerzahlen ein totales Verkehrschaos bedeuten. Bereits jetzt ist es sehr schwer zu den Bring- und Abholzeiten durch die Haupt- und Nebenstraßen der "Theodor-Storm-Grundschule" zu gelangen. Das 5-fache an Schülern, Lehrern und Eltern ist für diese Straßen nicht tragbar.

Quelle: Google Maps

Ein weiteres Luftbild zeigt, wie weit der Bahnhof (GRÜN) und der große Busbahnhof (GELB) vom geplanten Gebiet entfernt sind. Eine Routenplanung über Google Maps ergab, dass eine Person ohne Gepäck ca. 17 Minuten vom Bahnhof bis zum Wald braucht. Mit einem Schulrucksack benötigt man sicher länger. Zu dem kommt der Anstieg durch den Iberg hinzu.

Quelle: Google Maps

Die zur "Theodor-Storm-Grundschule" angrenzende Aureusstraße kommt morgens bereits an ihre Grenzen. An manchen Tagen ist eine Durchfahrt unmöglich. Anwohner müssen teilweise bis zu 10 Minuten warten um ihren Arbeitsweg antreten zu können. Wie sollen hier Feuerwehr-, Polizeiautos und Krankenwagen in Notfällen durch fahren?
Diese Situation entsteht bei gerade einmal 260 Schülern der Grundschule. In der neuen Schule sollen zusätzlich über 1000 Schüler unterrichtet werden.

Quelle: Foto eines Anwohners

Am 5.10.2021 wurde von unserer Initiative auf der Stadtratssitzung eine Petition mit 1655 Unterschriften gegen die Abholzung des Iberg-Wäldchens mit folgenden Worten eingereicht:

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Spielmann, sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrates,

wie Sie sicherlich alle wissen, wurde auf Betreiben der Anwohner des kleinen Wäldchens unter dem Iberg eine Initiative gegründet, die sich für den Erhalt dieses schönen Waldstückes einsetzt.

Dazu möchten wir Ihnen heute eine Petition mit mehr als 1600 Unterschriften überreichen.

Es ist uns wichtig, dass Sie wissen, dass diese Petition zwar auf der Initiative der Anwohner beruht, aber den Willen der Heiligenstädter Bürger widerspiegelt.

Es geht hier nicht um die privaten Interessen der Anwohner, sondern es geht um ein Waldstück mit 100 Jahre alten gesunden Bäumen, das den Menschen in Heiligenstadt:

1.     am Herzen liegt,

2.     ein Stück gewachsene Heimat ist,

3.     ein Teil der Natur ist, die erhalten und bewahrt werden muss,

4.     ein Ort der Erholung zum Wandern, Spazierengehen, Schlitten fahren und Spielen ist,

5.     wichtig ist, weil es zum Stadtbild ihrer Heimatstadt, einer Kurstadt, gehört,

6.     wichtig ist, weil es Lebensraum für viele Tiere ist, unter anderem Eichhörnchen, Bunt- und Grünspechte sowie Fledermäuse

und

7.     bedeutsam ist, weil dieses Waldstück Erinnerungen und ein Stück Kindheit beherbergen.

Diese Aspekte drücken sich auch in den beigefügten 529 Kommentaren aus, die die Begründungen zu den vielen Willensbekundungen liefern. Der Petition sind diese Kommentare zu Ihrer Information beigefügt.

Wir möchten betonen, dass die Initiative und die Petition sich nicht gegen den Schulneubau richten. Natürlich müssen die Interessen von 1000 Schülern und deren Eltern und das übergeordnete Ziel der Bildung als Zukunftsinvestition für die nächsten Generationen berücksichtigt werden. Jedoch steht das Allgemeinwohl der Heiligenstädter Bevölkerung diesem entgegen.

Über beiden Interessenseiten steht in unseren Augen jedoch ein übergeordnetes Allgemeinwohl, das uns alle angeht. In Zeiten von Umweltkatastrophen und Klimaerwärmung ist der Wald unser wichtigstes Gut, um dem CO2-Anstieg entgegen wirken zu können. Bei Starkregenereignissen ist ein Wald mit Waldboden vor allem an einem Hang, wie bei unserem Iberg, ein besserer Wasserspeicher, als eine versiegelte Fläche. Unseren Wäldern geht es schlecht, deshalb ist es erst recht nicht zu verstehen, wenn ein gesundes Wäldchen abgeholzt werden soll. Wenn jede Kommune, jede Stadt, jeder Landkreis so denken würde, dann können wir die gestellten CO2- und Klimaziele nicht einhalten. Nur darin besteht jedoch die Zukunftssicherung für die kommenden Generationen. Der Erhalt der Natur muss über allem stehen!

Der Aspekt des Klima- und Umweltschutzes ist auch den Menschen in Heiligenstadt und vor allem den jungen Menschen, die diese Petition unterschrieben haben, sehr wichtig. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, für die dieses Wäldchen abgeholzt werden soll, stellen den Umweltschutz und die Nachhaltigkeit über das Ziel Zukunftsinvestition durch Bildung. Auch dies finden Sie in den Kommentaren der Bürger, die diese Petition unterschrieben haben. Die Fridays for Future Bewegung zeigt uns sehr genau, was für die Zukunft der nächsten Generationen von existenzieller Bedeutung ist.

Wir möchten zu bedenken geben, dass die Interessen von 1000 Schülern und deren Eltern und das Ziel der Sicherung von Bildung auch Berücksichtigung finden kann, wenn ein Standort für den Neubau der Schule gefunden wird, der unser aller Ziel, nämlich den Erhalt der Umwelt berücksichtigt, indem bereits versiegelte Flächen und Leerstand genutzt und Waldrodungen vermieden werden.

Wird der geplante Standort für den Schulneubau beibehalten, so wäre der Wald unwiederbringlich verloren. Die Unterzeichner der Petition möchten dies nicht. Der Wald unter dem Iberg soll und muss erhalten bleiben.

Zum Schluss möchten wir darauf hinweisen, dass zu den Menschen in Heiligenstadt auch Kinder gehören, die ihren Willen zwar noch nicht in einer Petition bekunden dürfen, dies aber auf ihre ganz eigene wunderschöne Art und Weise getan haben. Auch diese Willensbekundungen für den Erhalt des Waldes und der Bäume haben wir der Petition beigefügt.

Wir wünschen uns von den gewählten Vertretern unserer Stadt, dass Sie all diese Argumente bedenken und den Willen der Heiligenstädter Bürger und aller Unterzeichner respektieren und beachten.

Wir wohnen und leben in einer christlich geprägten Stadt und wünschen uns, dass die Worte unseres Papstes Franziskus aus seiner Enzyklika Laudato Si‘: (Ich zitiere) „Unsere Schwester Mutter Erde, (…) schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter zufügen, die Gott in sie hineingelegt hat.“  als Mahnung verstehen und die Schöpfungsbewahrung gelebtes Christentum wird.

 

Patrice Schwertner (Petent)

im Namen aller Mitglieder der Initiative

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